Durchblick – ( Ruth Fleury )

Durchblick

von Ruth Fleury

„Setz mich auf“, rief die Brille, „ich verschaffe dir einen guten Durchblick.“

„Halt die Klappe. Ich mag dich nicht“, sagte Uli. Gerade war sie sechzehn geworden und sollte sich nun solch ein Vehikel auf die Nase setzen? So ein Ding passte gar nicht zu ihrem Style. Lieber würde sie die Welt ein wenig verschwommen sehen.

„So ein Quatsch. Ich habe mich extra schön gemacht. Schau meine lila Fassung und erst die Strass Steinchen besetzten Bügel. Ich denke du liebst Schönheit.“

Mit demonstrativer Abwehr verschränkte Uli die Arme und zog eine Schnute, wie sie es immer tat, wenn ihr etwas nicht gefiel. „Mit dir auf der Nase sehe ich aus wie eine lila Heuschrecke mit Glupschaugen.“

„Ich kann mich tönen, ganz alleine. Je heller und sonniger es wird, umso dunkler wird mein Glas. Und deine Glupschaugen, ähhh, deine wunderschönen papageiengrünen Augen liegen verborgen hinter meinem getönten Glas.“

Ulis Augen blitzten zornig. Ein Quäntchen beleidigt sein vermischte sich darin, als sie auf den runden Esszimmertisch blickte. Dort lag das ungehörige Gestell und ließ seine Strass-Steinchen verführerisch glitzern.

„Ich habe keine Glupschaugen. Außerdem siehst du schrecklich aus, auf meiner Nase. Und du drückst. Ich mag keine Abdrücke von dir in meinem Gesicht.“

Diese unnötige Diskussion nervte sie. Nie würde sie solch ein Nasenfahrrad tragen. Sie griff nach ihrem Cola Glas, doch ihre Finger fasten daneben. Das Glas fiel um, der kastanienbraune Inhalt ergoss sich über ihrem neuen signalweißen Shirt. Schnell wie eine Gazelle sprang sie auf, stieß gegen den Stuhl und warf ihn, wie ein neugeborenes Trampeltier, um. Sie drehte sich, übersah die Tasche, die auf dem Boden stand, stolperte und küsste bäuchlings den orangefarbenen Veloursteppich.

„Hättest du auf mich gehört“, hauchte die Brille leicht getönt. „Brille auf, Glas sehen, Glas greifen, Cola genießen! Brille aus, Glas fällt, Shirt hinüber, Tasche übersehen, Boden geküsst. Selbst schuld!“

Uli rappelte sich auf, setzte sich das Augenglas auf ihre Nase und knoterte „Zufrieden?“.

„Geht doch“, meinte die Brille und zauberte ihren besten Durchblick in Ulis Gesicht.


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