Saartire von Claude Michael Jung

Warum es bei Oskar bröckelt und bei Rolf rieselt

Vom Umgang eines tollen Hundes mit seinen Untertanen

Von Michael Jung

 

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Ich bin die netteste Hündin der Welt und ein Genie. Die Natur hat mich mit einem inneren Wecker ausgerüstet, der, mit meinem Magen gekoppelt, Frauchen und Herrchen präzise beim ersten morgendlichen Magenknurren aus den Federn befördert. Das ganze System arbeitet dabei sogar völlig unabhängig von der Uhrzeit.

Knurrt der Hundemagen, setzt eine Kettenreaktion ein, egal, was die elektronischen Uhren im Haus anzeigen. Zuerst geht es unter wildem Gebell in Richtung Schlafzimmer, dann rauf auf die Schlummerkiste und ganz fix den beiden mal durch ’s Gesicht geschlabbert. Frauchen zeigt meistens die erste Reaktion und grummelt, ich solle gefälligst brav sein. Pah, mit leerem Magen brav sein kommt gar nicht in die Tüte. Jetzt kommt der zweite Sturmangriff. Grummeln wie ein schlecht gelaunter Rottweiler und gleichzeitig Herrchen Kopfkissen unter seiner Rübe wegziehen. Die gleiche Prozedur bei Frauchen durchführen, und schon macht sich der Erfolg bemerkbar. Frauchens Stöhnen: „Lass mich noch fünf Minuten schlafen“ ignorieren und einen Flankenangriff auf Herrchens Bettdecke einleiten. Das war es meistens schon. Ein „Na schön“ von Frauchen und ein gepflegtes „Blöder Köter“ von Herrchen bedeuten mal wieder den totalen Triumph über meine Untertanen. Als großmütige Siegerin überlasse ich den Besiegten natürlich ihre Pantoffeln und begleite Frauchen mit fröhlichem Gebell zu meinem Futternapf. Herrchen stolpert zumeist hinterher und sagt dabei unfreundliche Verse auf.

Ansonsten ist er aber ein recht netter Typ, der mir sogar fast kampflos den Beifahrersitz in unserem Auto überlassen hat. Das Auto gehört sowieso mir, denn im großen Buch der Hunde steht wortwörtlich: „Alles was ein Hund toll findet, gehört ihm“. Ganz ängstlich hat Herrchen dreingeschaut, als ich ihm klar gemacht hab‘, dass ich nächste Woche den Wagen für mich brauche. Letzte Woche hat Herrchen unseren Vorgarten auf Sommerzeit umgestellt. Unter Ächzen, Stöhnen und Jammern über seinen Rücken hat er die Sonnenuhr aus dem Keller geschleppt und an einem schattigen Platz unter der Trauerweide aufgestellt.

Daneben sollten Oskar und Rolf, die beiden Zwerge, die Herrchen mal für 12 Volltreffer an einer Schießbude gewonnen hat, für gute Vorgartenlaune sorgen. Aber es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis Oskar und Rolf an die frische Luft dürfen. Bei Oskar bröckelt die Farbe ab, und bei Rolf rieselt so ein weißes Zeug, es muss Kalk sein, aus dem Kopf. Herrchen will gleich nächste Woche die Löcher stopfen. Er war sogar schon im Baumarkt und hat eine Spachtelmasse für besonders traurige Fälle besorgt. Frauchen will zum Muttertag das Schneewittchen samt Tennisschläger in Geschirrspülmittel baden und zwischen die roten Tulpen im Vorgarten stellen.

Mit dem Ensemble hat sie in der Gartenzeitung „Kitsch und Kult“ sogar mal einen Fotowettbewerb gewonnen. Ich glaub‘, ich setz‘ diesmal noch ’nen Haufen davor, dann gewinnt Frauchen noch einen Fotowettbewerb. Nachher will Che vorbeikommen. Che ist zwar kein Hund, sondern ein Kater, aber trotzdem mein bester Freund. Che hat Politik und Philosophie studiert und führt mehrere akademische Adelstitel. Frauchen mag Che gar nicht. Sie sagt, er sei ein verkommener Straßenkater und würde mir nur Flausen in den Kopf setzen.

Neulich hat er mal ’ne Party bei uns im Keller geschmissen. Ich war auch dabei, bis Frauchen mitten in der Nacht in der Kellertür gestanden und lautstark randaliert hat. Dabei hatten wir so tolle Musik gemacht. Es ist, wie Herrchen immer sagt: „Warmes Bier und kalte Frauen können jedes Fest versauen“. Herrchen hat die Absicht geäußert seine Mitgliedschaft im ADAC zu kündigen und zu den Sozis zu wechseln. Die Plattmacher wollen nämlich eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometer auf der Autobahn einführen. Herrchens Bleifuß findet das klasse. Mit 120 Sachen durch den täglichen Stau und die Geschwindigkeitbeschränkungen. Also mit meinem Auto macht Herrchen das nicht. Immerhin, gebrauchte Panzer gibt es wie Sand am Meer, und die Sozis schenken ihm bestimmt so einen tiefer gelegten Leopard mit Räumschild samt Nebellampen, eingebauter Lichthupe und Rallystreifen.

Tschüss bis bald – Das war Saartire Der tollste Hund der Welt – Foto: Michael Jung

 


Saarländer und Kranzkuchen

 

Von Claude Michael Jung

Gilt der Mensch als die Krone der Schöpfung, so muss die Welt ab sofort neidlos anerkennen, das der Saarländer unzweifelhaft die Krone der Menschheit ist. Seit heute steht unwiderlegbar fest, die wohl wichtigste Erfindung der Menschheit, das Rad wurde an der Saar erfunden und nicht wie die Wissenschaft bisher vermutete im alten Ägypten oder Babylon. Auch die Erfinder sind namentlich bekannt. Es waren die beiden Bäckerbuben Willi und Oswald, denen die revolutionäre Erfindung in einer Mandelbachtaler Backstube gelang. Das Wort Rad war damals noch nicht bekannt und so nannten sie ihre Erfindung einfach Kranzkuchen.

Das historische Kranzkuchenrad wurde jetzt bei Baggerarbeiten zu Tage gefördert und wissenschaftlich genauestens begutachtet. Das Alter des antiken Kranzkuchenrades wurde auf etwa 7500 Jahre festgelegt, also wesentlich älter als die in Babylonien gefundenen Vollscheibenräder, die dem Aussehen nach eher der Kopie einer Salamischeibe ähneln, als dem Rad des Fortschritts der beiden Tüftler aus der Backstube im Mandelbacher Ortsteil Bliesmengen Bolchen.

Bäckerbuben 2 aa

 Foto: Sammlung Claude Michael Jung

Holzschnitzereien aus der guten Stube des Bäckermeisters, geben Hinweise darauf, das die beiden Buben sich des öfteren als Erfinder versuchten, dabei jedoch das Brot, das sie zu backen hatten zumeist anbrennen ließen. In seiner Einfalt setzte der Bäcker seine beiden Lehrlinge vor die Tür. Heute würde man den Vorgang als glatte Verschleuderung von Humankapital bezeichnen. Ein vorbeiziehender Kaufmann aus Griechenland nahm die beiden Spitzbuben in seine Obhut, brachte ihnen lesen und schreiben bei, zum Dank backten die Jungs ihm täglich einen Kranzkuchen und erfreuten sich daran, das ihr neuer Meister langsam aber sicher kugelrund wurde. Die Folge war der erste Reifenplatzer in der Geschichte.

Mit einigen knochenhart vertrockneten und arglos weggeworfenen Kranzkuchen begann die moderne Entwicklung des Rades und mit der Konstruktion des Streitwagens begann der nun nicht mehr zu stoppende Siegeslauf des Kranzkuchens rund um die Welt. Der Adventskranz war dabei nur eine weitere, bis heute bekannte Entwicklungsstufe, die bei den modernen Pneus der Formel Eins noch lange nicht sein Ende erreicht haben wird. Man muss davon ausgehen, das die Formel Eins Elite sich heute etwas mehr Hefe oder Backpulver in ihrer Reifenrezeptur wünscht, als dies derzeit der Fall ist.

Nun wird es höchste Zeit, das sich die Menschheit in Dankbarkeit vor dem großen Erfindungsgeist der Saarländer verneigt. Die vereinten Nationen der Industriestaaten müssen anerkennen, das ohne den Saarkranzkuchen die Menschheit auch heute noch auf Bäumen hausen würde anstatt einen Großteil ihrer Zeit in den höchst unterhaltsamen Staus auf den Autobahnen verbringen zu dürfen. Erste Erfolge sind auch schon sichtbar, mit der nächsten Ariane V Rakete soll ein Kranzkuchen, Made en Sarre, ins Weltall geschossen werden, der außerirdische Lebewesen dazu animieren soll, aus der menschlichen Entwicklungsgeschichte zu lernen. Mercedes Benz will seinen guten Stern auf allen Straßen durch einen Hochglanzkranzkuchen ersetzten und die Formel1 wird wird dieses Jahr ohne wenn und aber, Kranzkuchen von der Saar auf ihre Felgen aufziehen lassen.

 Mit freundlichen Grüßen

Michael Jung


 

 

Winter in Auersmacher

 

Der Winter wollte heute nochmal zeigen was er drauf hat. Keine Chance für Busse am Auersmacher Berg. Räumfahrzeuge scheinen sonstwo stecken geblieben zu sein. Die Saarbahn ist selbstverständlich schachmatt. Aber das Volk an der oberen Saar schaut neugierig aus den Fenstern und erwartet bessere Zeiten. Ich hab noch zwei Kisten Bier für die letzte Schlacht gegen den Winter. Auf, auf zum Kampf, ich sehe jetzt erst mal meinem Nachbarn zu, wie der den Schnee räumt. – Foto/Text P.+M.Jung

Bus im Schnee

mit vielen Grüßen – Claud Michael Jung

 


 

Die Saarländer

Eine Meisterleistung des Schöpfers

 

Was die Bibel nicht berichtet

Von Michael Jung

Als der Herr es leid war, alleine über den Wassern zu schweben, erschuf er gewaltige Landmassen. Doch diese waren öde und leer. Deswegen begann er damit, Tiere zu erschaffen. Füchse Reiher, Hasen, Rehe, zahme Bären und Großkatzen teilten sich friedlich das Land. Doch der Herr wollte mehr.

Also begann er damit, ein Männchen aus Lehm zu basteln. Als der Erzengel Michael vorbeikam, lachte er lauthals, denn das Männchen war potthäßlich. Der Schöpfer wurde stinksauer und warf dem Erzengel vor, er hätte einen schlechten Geschmack und kein Kunstverständnis. Wutentbrannt und mit hochrotem Kopf behauptete der Herr, das Männchen hätte er nach seinem Ebenbild geschaffen. Das Malheur nahm seinen Lauf. Der Herr hauchte dem Männchen eine Seele ein und setzte es in einem Garten namens Eden  aus. Doch das Männchen, der Herr hatte es Adam genannt, langweilte sich schrecklich. Da der Schöpfer des Himmels und der Erde Mitleid mit Adam verspürte, wollte er ihm eine Freude machen und ihm eine Frau als Gespielin schenken. Er schläferte Adam ein und entnahm ihm ein paar Knochen. Zusammen mit Lehm und etwas Kompost formte er ein Weibchen, das er Eva nannte. Nach wessen Ebenbild Eva geschaffen wurde, ist bis heute noch unerforscht. Jedenfalls soll sie einem Ungeheuer ähnlich gewesen sein, berichtet der Erzengel Gabriel in seinen Memoiren. Auch der Herr zog sich entsetzt vom Ort seiner Tat zurück. Den guten Rat seines engen Beraters Luzifer, die beiden Missgeburten augenblicklich zu ersäufen, befolgte er nicht. Der Herr war jedoch noch immer voller Tatendrang. Rastlos wanderte er immer weiter nach Westen, bis er zur lieblichen Saar gelangte. Nach ein paar Tagen himmlischer Ruhe am Ufer des kristallklaren Flusses fasste der Herr erneut den Plan, einen Menschen nach seinem Ebenbild zu erschaffen. Mit einem Pfiff bestellte er ein Rudel Engel zu sich, um ihm zu assistieren.

Das neue Werk sollte die Krone der Schöpfung sein, hübsch anzusehen, fleissig, voller Esprit und Tatendrang, eben genau so wie der Herr selbst. Da wurde vom Morgen bis zum Abendrot geknetet und geformt, gebügelt und gestrafft. Schon die ersten Rohlinge waren wunderbar anzusehen. Das Weibchen war eine Wucht und das Männchen ein echter Wonneproppen. Der Herr und seine Helfer legten das noch rohe Paar auf eine Sandbank, und die Sonne begann damit, die ersten Saarländer zu backen. Die Schar der Engel küsste und knuddelte das frische Gebäck, und der Herr hauchte seinen neuen Geschöpfen Leben ein. Das Werk war getan, die Schöpfung hatte eine Krone, und der Schöpfer war zufrieden. Zum Abschied sagte er seinen Saarländern noch: „Seit furchtbar und mehret Euch, schrecklich“ Die Saarländer taten, was der Herr ihnen befohlen hatte. Fleissig vermehrten sie sich und besiedelten das Paradies an den Flüssen, Bächen und Tümpeln des herrlichen Fleckchens Erde.

Überall in den Tälern und Auen an Saar, Nied, Blies und Rossel tummelten sich die Kronen der Schöpfung. Die Männchen bekleideten sich mit Schaffbux und Bätschkapp, und die Weibchen trugen bunte Kittelschürzen. Man feierte die Feste, wie sie fielen. Gebratene Tauben und Grillhähnchen flogen dem Saarvolk in den Mund. Nachts warf der Herr sogar neben viel Konfetti auch Wurstweck und Lyonerringel vom Himmel. Dann aber versündigten sich die Saarländer gegen ihren Schöpfer. Sie lästerten, die gebratenen Tauben, die ihnen der Herr spendierte, hätten zu viele Flugstunden auf dem Buckel und seien deswegen zäh gewesen. An allen Speisen sei zu wenig Liebstöckel-Gewürz, ja sogar das Flaschenbier wäre alkoholfrei gewesen und hätte keinerlei Rauschwirkung gehabt. Da wurde der Herr zornig und schickte eine große Plage über sein auserwähltes Volk. Industriebarone fielen ins Land und versklavten das ganze Volk. Die Männchen musste in die Grube fahren und tief aus der Erde das Schwarze Gold fördern. Andere wurden gezwungen, an den Hochöfen der Eisen- und Stahlhütten zu schuften. Zwar bekamen die Weibchen noch immer fleißig Nachwuchs, aber auch der wurde von den Industriebaronen versklavt. Der Zorn des Herrn aber konnte nicht besänftigt werden. So beschloss er, das Saarvolk auszurotten. Er schickte die SPD, die größte aller Plagen, an die Saar und ihre Nebenflüsse. Die Sozis schafften im Rekordtempo das, was der Herr von ihnen verlangte. Sie nahmen den Saarländern die Lebensfreude. Statt dem Geist des Herrn schwebte nun Hartz IV über dem Land. Hunger und Elend kamen über die Saarländer. Aus dem einstigen Kindersegen wurde ein Kinderfluch. Die Weibchen verweigerten den Sex, und die Männchen verloren die Kraft und den Schwung ihrer Lenden. So werden seit Jahren immer weniger Saar-Kinder geboren. Dörfer und Städte drohen auszusterben.

Immer wieder veröffentlicht das Statistische Landesamt grauenvolle Zahlen, die keinen anderen Schluß zulassen: das Saarland wird schon bald aussterben und von der Landkarte verschwinden. Bald jedoch, so der Herr, sollen alle von den Sozis und ihren fürchterlichen Blockparteien mit der großen Hartz- IV-Plage Geschundenen die Wahl haben, etwas gegen das Große Sozialverbrechen zu tun. Obwohl der Herr genau weiss, dass seine Krone der Schöpfung in der Geschichte immer die Falschen an die Macht gewählt hat, will er ihnen die Chance geben, diesmal die Richtigen zu wählen. Es steht aber zu befürchten dass das auserwählte Volk auch diesmal wieder seine Metzger auf dem Wahlzettel bevorzugt. Es ist eben wie der Erzengel Michael sagt: „Aus der Krone der Schöpfung sind die Trottel der Schöpfung geworden“. –

Das war Saartire  von Claude Michael Jung


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