Unsere Streuobstwiesen – der Apfelbaum

Unsere Streuobstwiesen – der Apfelbaum

Ein Beitrag von Dr. Wolfgang Stein

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich doch heute ein Apfelbäumchen pflanzen“

Die Bedeutung dieses Martin Luther zugeschriebenen Zitates würden wir heute wohl als „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ formulieren. So plant auch der Botanische Garten die Pflanzung eines Apfelbäumchens an seinem letzten Tag!

Aber warum gerade einen Apfelbaum?

Apfelbaum

Wohl kaum eine andere heimische Frucht kann sich mit der Symbolkraft des Apfels messen. Gemäß der griechischen Mythologie war der Fruchtbarkeitsgott Dionysos der Schöpfer des Apfelbaumes. Er widmete ihn Aphrodite als Sinnbild Ihrer vollkommenen Schönheit und Liebe. Eris, die Göttin der Zweitracht, nutzte die Gestalt der Frucht dagegen als Zankapfel, um Streit unter Menschen und Göttern zu säen. Den Christen gilt der Apfel als Symbol der Unkeuschheit, Versuchung und Erbsünde, immerhin der Anlass zur Vertreibung aus dem Paradies. Schließlich blieb er dem ersten Menschen sogar im Halse stecken (heute noch am Adamsapfel ersichtlich). Das Apfelland Avalon dagegen galt den Kelten als Paradies schlechthin. Den alten Germanen war die Frucht das Zeichen der Mutterbrust und nährenden Liebe. In der Form des Reichsapfels diente er den gekrönten Herrschern als Weltsymbol (Erdapfel) und Insignie ihrer Macht.
Das Spektrum der Apfelsymbolik reicht somit in widersprüchlicher Weise von Vollkommenheit und Liebe über Begierde und Macht zu Streit und Sünde Es mag wohl kaum ein Zufall sein, dass der lateinische Begriff „malum“ sowohl für „Apfel“ als auch für „schlecht und böse“ steht. In unseren Tagen hat er von seinem alten Glanz verloren, denn alles Billige ist für einen Apfel und ein Ei zu haben.

Allerdings lässt die Frucht unseres heimischen wilden Apfelbaumes, dem Holzapfel (botanisch: Malus sylvestris), die Größe und Vielseitigkeit unserer heutigen Kultursorten nur erahnen. Im Übrigen ist nicht immer zweifelsfrei festzustellen, ob es sich bei den wenigen, vorwiegend im Nordsaarland in freier Natur noch vorzufindenden Holzapfelbäume um natürlich gewachsene Vorkommen oder um durchgetriebene wilde Pfropfunterlagen ehemaliger Obstkulturen handelt. Auch ist letzten Endes nicht geklärt, ob unser dornentragender Wildapfel überhaupt an der Entstehung unserer heutigen Apfelsorten durch Einkreuzung beteiligt ist. Man vermutet die ersten Apfelkulturen im südwestasiatischen Raum, gezüchtet aus anderen Wildapfelarten, demnach ein kulturelles Geschenk an uns aus dem Orient.

Die Germanen übernahmen den Kulturapfel von den Römern, nicht aber dessen lateinischen Namen Malum. Vielmehr hielt man an der urgermanischen Bezeichnung „aplitz“ (später im Althochdeutschen: apful, apfil oder afful) für den hier bekannten Wildapfel fest.

Streuobstwiese

Über Jahrhunderte kultivierte man den Apfelbaum zusammen mit anderen heimischen Obstarten zum Nebenerwerb oder Eigenbedarf in so genannten Streuobstwiesen (Bild 2). Ganze Landschaften, insbesondere auch im Saarland, sind von dieser Kulturform geprägt, welche heute als unrentabel gilt. Der Naturschutz kümmert sich um den Erhalt solcher Biotope, welche für zahlreiche eingewanderte Tier- und Pflanzenarten überlebenswichtig sind, nicht zuletzt in unserem „Biosphärenreservat Bliesgau“.

Der Nutzwert des Apfels als nährendes und gesundes Obst ist allgemein bekannt. Bereits Griechen und Römer verarbeiteten ihn zum Apfelwein „Sidera“, wie ihn heutzutage insbesondere die Schwaben und Hessen zu schätzen wissen. Wegen seines hohen Pektingehaltes wird er gerne auch anderen Früchten als Eindickungsmittel zur Herstellung von Marmelade beigemengt.

Abschließend nochmals zurück zum Apfel als Symbol der weiblichen Brust und der Verführung zur Liebe. So lässt auch Goethe sein Gretchen auf das Begehren von Faust mit ihren Pfründen prahlen: „Der Äpfelchen begehrt Ihr sehr, und schon vom Paradiese her, von Freuden fühl ich mich bewegt, dass auch mein Garten solche trägt.“

Foto (Streuobstwiese mit Apfelbäumen): Hardy Alles
Foto (Äpfel am Ast): Wolfgang Stein
Text: Wolfgang Stein, Botanischer Garten der UdS

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